Ausstellung „Colli/usionen“ mit Zeichnungen und Collagen von Annegret Leiner in der BMW-Niederlassung Saarbrücken Sabine Graf Saarbrücker Zeitung, März 2000
Es hat sich etwas geklärt, obwohl der Titel der Ausstellung etwas anderes nahe legt. „Colli/usionen“ hat die in Dudweiler lebende Malerin und Zeichnerin Annegret Leiner ihre aktuellen Arbeiten überschrieben. Zusammenstoß und Zusammenspiel wollen die in diesem und im letzten Jahr entstandenen Blätter sein, die gerade in der BMW-Niederlassung Saarbrücken zu sehen sind.
Kunst an einem Ort zu zeigen, der zwar für Ausstellungen eingerichtet ist, aber in erster Linie nicht Kunst, sondern Autos im Visier hat, ist eine Herausforderung. Es braucht ein Konzept, das verhindert, dass die Kunst zur Dekoration wird. „Collision“, Zusammenstoß, als ironischer Seitenhieb der Künstlerin auf das Alltagsgeschäft des Ausstellungsorts, wird zur „Collusion“, zum Zusammenspiel von Kunst und Ort. Die Idee, die Zeichnungen und Collagen auf Zeichenfolien an Stahlschnüren von der Decke in den Raum zu hängen, erweist sich als Gewinn. Denn die Präsentationsform nimmt eine Grundaussage der Arbeiten auf: Die Erfahrung und die Behauptung des Körpers im Raum. Dies umso mehr, als das Werk Annegret Leiners der letzten Jahre diesen Weg in den Raum über kleine Nebenwege, aber dennoch folgerichtig genommen hat.
Es scheint, dass sich ein Kreis zu den Anfängen schließt. Dichte, ineinander verwobene Linien ballten sich dort zu Körpern in den Lithografien und Radierungen der 80er Jahre und verbargen mehr, als sie zeigten. Bis sich Annegret Leiner einen Querstrich erlaubte. Die Abbilder der Außenwelt überwucherten Zeichenspuren, die wie seismografische Linien Bilder einer Innenwelt verzeichneten. Mehrere Schichten von Transparentfolie lagerten übereinander und trieben die von Ölkreide und Gouache-Farben Spuren in die Tiefe. Die feinen Linien organisierten, gestützt von dicken Strichen, die Fläche. Allmählich verbreiterten sie sich zu Balken und breite, mitunter farbige Papiere drangen in die Schichten ein. So geschehen vor zwei Jahren in einer Ausstellung in der Stiftung Demokratie Saarland, in der die Zeichnungen in großen Objektkästen ihren Platz fanden.
Vor zwei Jahren schien die Gefahr gegeben, dass das Werk ins Unverbindliche, Dekorative abzugleiten drohte, als Leiner kleine Zeichnungen und Collagen zur Jahres-Edition des Saarländischen Künstlerbundes beisteuerte.
Doch es kam anders. Das zeigen die kleinen Formate, die sich in der Ausstellung aneinander reihen. Diese im vergangenen Jahr entstandenen Arbeiten erproben im Kleinen, was in den hängenden Blättern sich verwirklicht. Sie brauchen wie die Großformate die Fernsicht, damit sie stimmig werden. Sie sind, so scheint es, daraufhin ausgelegt. Die großen Formate machen darauf die Probe. Sobald die im Kleinen erprobten Formationen auf die 180 mal 126 Zentimeter großen Blätter übertragen werden, verlieren sie sich. Anders die großzügig aufgeteilten Begegnungen von Linie und Fläche. Sie bestimmt ein deutlicher figurativer Gestus, der von Ausrissen von Werbeplakaten ausgeht. Wenige Striche bauen Bildräume, in denen sich das seit Jahren benutzte Vokabular der Malerin von der Schraffur bis zum fetten Strich neu formiert: souverän im Strich, klar in der Aussage und offen gegenüber dem Betrachter.