Klare Linie im Gewerbe-Ort

Ausstellung von Annegret Leiner in der Reihe Brandt & Kultur Sabine Graf Saarbrücker Zeitung vom 22. Dez. 2003

Dudweiler. Für einen bestimmten Ort hat die in Dudweiler lebende Malerin Annegret Leiner in den letzten Jahren vermehrt gearbeitet. Präziser: Für einen Ort, der kein Museum und keine Galerie ist. Sie war im Jahr 2000 zu Gast in der BMW- Niederlassung Saarbrücken. Im folgenden Jahr setzte sie sich mit ihren Entwürfen in einem Wettbewerb für die Gestaltung der Deckenwände des Veranstaltungsraums der Saarländischen Landesvertretung durch. Nun hat ihre aktuelle Ausstellung wieder an einem Ort, der kein traditioneller Kunstort ist, Platz gefunden.

Aus Anlass des Umzugs der Saarbrücker Firma Brandt Interior Design in das Gewerbegebiet Dudweiler Höhe ist sie in deren neuem großen Verkaufsraum zu Gast. Zugleich startet mit ihr das Unternehmen unter dem Titel „Brandt & Kultur“ in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Förderung des Saarländischen Kulturbesitzes eine Ausstellungsreihe, die quartalsmäßig im neuen Firmengebäude stattfinden soll. Das fügt sich, weil zum einen der Ort der Kunst Respekt erweist, indem er den Bildern der Malerin Raum lässt und zum Dialog mit dem erlesenen Mobiliar einlädt Zum anderen, weil mit der Premiere der Ausstellungsreihe ein Standard definiert wurde, der, will man glaubwürdig bleiben, zu halten ist.

Wie in der Ausstellung in der BMW- Niederlassung hängen auch diesmal Leiners Bilder an Drahtseilen von der Decke, wie schon im Museum St. Wendel, in dem sie 2001 ihre letzte Einzelausstellung hatte. Doch diesmal setzt Annegret Leiner statt mittelformatige Papierarbeiten Leinwände im Riesenformat ein. Zugleich kehrt ein Element aus den von der Decke hängenden Papieren in verfeinerter Form wieder. Waren es damals grob herausgerissene Stücke aus Großflächenplakaten, die Annegret Leiner als Widerpart oder Dialogpartner in ihren Bildraum einlud, findet man nun mit Ölkreide umrissene figurative Formen wie angedeutete Köpfe oder Torsi, aber auch mal ein Rechteck mit klaren, geraden Kanten in den Bildern. Und die für die Malerin typische nervös-flattrige Linie wurde inzwischen entschlossen und klar.

Konzentrierte Kräfte behaupten sich.

Hier wird immer noch gekämpft, aber Annegret Leiner hat in ihren Bildern die Kräfte konzentriert, damit ihre Aussage auch in einem Raum, sei es nun in Berlin oder in Dudweiler, in dem es nicht allein um Kunst geht, sich behaupten kann. Geblieben sind die gewaltigen Erzählungen aus dem Inneren, die alle Verzagtheit abgestoßen haben. Hier werden Aussagen gemacht. Mit breitem Pinselstrich, fester Linienführung und mit farblichen Akzenten, die wirken, aber auf jeglichen Glanzeffekt verzichten wollen. Der Anspruch, ehrlich in den Bildern zu sein, bleibt und wird von Mal zu Mal klarer und eindringlicher.

Sabine Graf